Altreifen-Entsorgung und Umweltschutz

Wohin mit den alten Reifen? - Altreifen-Entsorgung

Man sieht sie als Schaukel auf Kinderspielplätzen, als Schirmständer in Biergärten, häufig genug aber leider auch im Straßengraben oder auf Waldlichtungen. Die Entsorgung und Verwertung von ausrangierten Altreifen ist nach wie vor ein ökologisches Problem. Denn trotz Abfall- und Kreislaufwirtschaftsgesetz finden sich noch immer zu viele ausgediente Reifen an Stellen, wo sie nicht hingehören. Natürlich hat diese Entsorgung ihren Preis, denn wer ordnungsgemäß Schrottreifen transportiert, sortiert, zwischenlagert und einer endgültigen Verwertung zuführt, kann dies nicht zum Nulltarif machen.

Angesichts stetig wachsender Pkw-Zulassungszahlen und höheren Umrüstquoten wächst aber auch der Altreifenberg. Experten schätzen, dass mittlerweile fast 700.000 Tonnen Reifen allein in Deutschland ausrangiert werden.

Was wird nun aus den abgefahrenen oder beschädigten Altreifen? Sie werden - je nach Zustand des Reifens - einer gewissen Hierarchie unterzogen. Diese gliedert sich wie folgt in sieben Punkte:

1. Die oberste Stufe ist die Weiterverwendung als Gebrauchtreifen bzw. die Reparatur. Der Gebrauchtreifen an sich ist nicht Negatives: In Ländern mit wesentlich geringerer Kaufkraft als Mitteleuropa sowie klimatisch ganz anderen Bedingungen (z.B. Tropen oder Subtropen) können Reifen, von denen in unseren Breiten aus Sicherheitsgründen dringend abgeraten wird, durchaus noch ihren Dienst verrichten. Auch der Montage eines beschädigten Reifens - wenn er fachgerecht repariert wurde - steht nichts entgegen. Den Reifen seinem ursprünglichen Zweck wieder zuzuführen macht ökonomisch und ökologisch durchaus Sinn.

2. Die zweite Ebene einer sinnvollen Behandlung von Reifen ist die Runderneuerung (auch mit Reparatur und Nachschneiden bei Lkw-Reifen). Allerdings muss hier schon genauer zwischen Pkw und Nutzfahrzeugen differenziert werden: Die Pkw-Runderneuerung ist weiterhin rückläufig und wird zur Marktnische. Der Preisvorteil eines runderneuerten Pkw-Reifens ist gegenüber einem Neureifen aus dem Budgetsegment nicht hoch genug. Trotz des ökologischen Nutzens ist im Moment nicht zu sehen, wie dieser Trend umgekehrt werden könnte. Ganz anders bei Nutzfahrzeugreifen: Zum einen verlängert das Nachschneiden der Lkw-Reifen renommierter Marken das Reifenleben. Zum anderen können die Reifen auch runderneuert werden. Der Unterbau, die wertvolle Karkasse, bleibt erhalten - erneuert wird nur die Lauffläche. Manch eine Karkasse ist selbst nach dem zweiten Leben so robust, dass bedenkenlos nochmals runderneuert werden kann. Nicht ökologische, sondern ökonomische Argumente überzeugen die Verbraucher und tragen zum hohen Anteil runderneuerter Nutzfahrzeugreifen bei.

3. Als weitere Möglichkeit folgt die Wiederverwendung als ganzer Reifen. Er erfüllt nicht mehr seine ursprüngliche Funktion, muss aber nicht aufwändig aufbereitet werden. Seine neue Funktion findet er in Auslaufzonen von Rennstrecken, als Aufprallschutz an Kaimauern, als "Gewichte" auf Abdeckplanen von Rübenmieten oder auch als künstliche Riffe haben sich Altreifen bewährt. Einen "Schönheitspreis" werden solchermaßen genutzte Reifen nicht gewinnen. Ihr "Leben", bis sie der weiteren Verwertung zugeführt werden müssen, wird aber deutlich verlängert. Da nicht ständig neue Hafenanlagen und Rennstrecken gebaut werden und die landwirtschaftlichen Nutzflächen eher abnehmen sind einer diesbezüglichen Aufnahme von Altreifen enge Grenzen gesetzt. Ideen verbrauchte Reifen als (Lärm-) Schutzwälle einzusetzen werden gerne registriert, sie lösen das Altreifenproblem jedoch nicht und haben den Status eines "Tropfens auf den heißen Stein".

4. Und das gilt erst recht für die vierte Alternative, die Weiterverwendung eines Reifens nach mechanischer Zerkleinerung: Es beginnt bei der Halbierung des Reifens, um mit seinen Resten einen Kanal zu formen, der der Entwässerung dienen kann und Bodenerosionen vorbeugt. Manch ein Profil wird in Entwicklungsländern noch als preisgünstige Schuhsohle genutzt. Reifenreste, auf eine akzeptable Größe kleingeschreddert, können aber auch ein Platz in Fuß- und Stallmatten wiederfinden. Ganz neu ist auch eine Idee aus Amerika: Hier haben Forscher festgestellt, dass eine fünf bis zehn Zentimeter dicke Schicht aus Reifengranulat unter dem Golfplatz das Eindringen von Herbiziden und Düngemitteln ins Grundwasser verhindern könnte. Derartige Ideen sind vermutlich durchaus sinnvoll, tragen aber zum Abbau des Altreifenberges nur unwesentlich bei.

5. Erst auf Rang fünf folgt die Ebene, der derzeit das Hauptinteresse gilt: die stoffliche Verwertung. Je höherwertiger das aus Altreifen gewonnene Recyclat, desto bessere Preise lassen sich erzielen. Allerdings ist auch zu bedenken, dass die technologisch aufwändigsten Recyclingverfahren natürlich auch die höchsten Investitionen verlangen. Die Fokussierung auf die höchsten Qualitäten geht einher mit den verfahrenstechnisch anspruchsvollsten Methoden. Doch gewiss gibt es Marktsegmente, in denen weniger feine Gummimehle durchaus ausreichend sind. Es hat sich sogar vereinzelt gezeigt, dass zu feines Gummimehl, anderen Mischungen beigegeben, neue Probleme aufgeworfen hat. Mitunter zeigte sich auch ganz banal ein Transportproblem: In welchen Behältnissen lassen sich superfeine Gummimehle sicher transportieren? Wer in millionenschwere Recyclinganlangen investiert, der sollte auch wissen, zu welchem Preis er die von ihm produzierten Rohstoffe und in welchen Volumina dauerhaft vermarkten kann. Beim Fraunhofer-Institut UMSICHT heißt es: "Eine Analyse der Patentsituation macht deutlich, dass nach wie vor die Schwerpunkte der wissenschaftlich-technischen Entwicklungsarbeit auf dem Gebiet der Pyrolyse und Verbrennung liegen. Die recherchierbaren Patente auf dem Gebiet der Aufbereitung beinhalten nicht selten Ansätze, die aus logistischen und betriebstechnischen Gesichtspunkten keinen Sinn machen. Andererseits werden auch gerade auf dem Gebiet der Zerkleinerung viele äußerst interessante Vorschläge diskutiert. Diese befinden sich allerdings noch häufig im Labormaßstab oder basieren bislang auf rein empirischem Vorgehen. Eine vertiefte Kenntnis dieser Prozesse und intensive Bemühungen um ihre technische Umsetzung könnten nicht nur für das Altreifenrecycling einen enormen Entwicklungsschub bedeuten. Hier kann die Altgummiaufbereitung eine innovative Vorreiterrolle auch für andere Recyclingbereiche ausüben."

6. Viel Potenzial wird also der stofflichen Verwertung beigemessen, die meisten Kapazitäten allerdings wandern in die energetische Verwertung - die Öfen der Zementindustrie. Altreifen zu verbrennen mag nicht der Weisheit letzter Schluss sein, aber ökologisch ist dies immer noch besser, als Reifen zu deponieren. Aus Kunststoffreifen oder Altreifen wieder aufwändig Öl zu gewinnen, um dieses zu verbrennen, ist nicht vermittelbar.

7. Mit der untersten Hierarchiestufe, der Deponierung, ist in Deutschland und bald auch europaweit Schluss. Noch heute werden ganze Reifen auf Deponien gebracht und teilweise finden sich immer noch Altreifen in der Natur, die illegal entsorgt wurden. Solches Vorgehen ist strafbar. Zwar kennt die Altfahrzeug-Verordnung keine direkten strafrechtlichen Konsequenzen, aber die Einstufung als Abfall ist jedenfalls in dieser Hinsicht hilfreich. Abfall (ob alte Autowracks oder Altreifen) einfach in die Natur zu kippen ist illegal - wer erwischt wird, hat mit hohen Geldstrafen zu rechnen.

Die Reifenfachbetriebe leisten durch die Rücknahme von Altreifen und Eingliederung in den optimalen Recycling-Prozess einen wertvollen Beitrag zur Ressourcen-Schonung und zum Schutz der Umwelt.

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