Muss ich neue Reifen einfahren?
Muss ich neue Reifen einfahren?
Ja. Die ersten 100 bis 200 Kilometer haftet ein fabrikneuer Reifen deutlich schlechter als später – und man merkt es nicht.
Neue Reifen fühlen sich gut an: leise, komfortabel, viel Profil. Genau das ist die Gefahr, denn die volle Haftung haben sie noch nicht.
Zwei Gründe
Der Trennmittelfilm. Damit sich der Reifen nach dem Vulkanisieren aus der Form löst, wird diese mit einem Trennmittel behandelt. Ein dünner Rest davon sitzt auf der Lauffläche und wirkt wie eine glatte Schicht. Er muss abgefahren werden.
Die Profilblöcke. Sie sind noch nicht eingelaufen. Kanten und Oberfläche müssen sich erst an die Fahrbahn anpassen, bevor der Reifen gleichmäßig trägt.
Was das heißt
Fahren Sie die ersten 100 bis 200 Kilometer zurückhaltend: keine Vollbremsungen, keine schnellen Kurven, kein hartes Beschleunigen. Danach hat der Reifen seine volle Haftung und verhält sich so, wie er soll.
Das gilt nicht nur für neue Reifen, sondern auch nach dem Aufziehen eingelagerter Räder – dort allerdings nur für die ersten Kilometer, bis Gummi und Fahrbahn wieder zusammenfinden.
Besonders wichtig bei
- Motorradreifen. Hier müssen zusätzlich die Flanken angefahren werden, weil sie in aufrechter Fahrt gar nicht berührt werden. Schräglage deshalb schrittweise aufbauen.
- Runderneuerten Nutzfahrzeugreifen. Auch sie kommen aus einer Form und tragen Trennmittel.
- Winterreifen beim ersten Einsatz. Die weiche Mischung braucht ebenfalls ein paar Kilometer, bis die Lamellen sauber arbeiten.
Und das Nachziehen?
Das ist ein anderes Thema, gehört aber in dieselben ersten Kilometer: Nach 50 bis 100 Kilometern muss das Drehmoment der Radschrauben kontrolliert werden, weil sich die Auflageflächen zwischen Felge und Nabe noch setzen. Das dauert wenige Minuten und kostet bei uns nichts.
Noch Fragen?
Kommen Sie vorbei oder rufen Sie an. Unsere Kollegen schauen sich den Reifen lieber einmal zu viel an als einmal zu wenig.
Muss ich die Reifen erst einfahren?
Die Vulkanisation der Reifen erfolgt in einer Stahlform. Die Oberfläche der Neureifen ist deshalb sehr glatt. Erst durch das Aufrauhen der Lauffläche während der Einfahrzeit - auch im Schulterbereich notwendig - erreicht der Reifen seine volle Haftfähigkeit. Einfahrzeit = ca. 200 Kilometer bei gemäßigter und angepasster Fahrweise.
Auf die sogenannten "Kavaliersstarts" sollte eigentlich gänzlich, in jedem Fall aber in der Einfahrzeit verzichtet werden. Extremes Beschleunigen wie auch Abbremsen kann den frisch montierten Reifen auf der Felge drehen. Folge: das Auswucht-Ergebnis ist verstellt, da sich Reifen, Gewicht und Felge sich aus dem millimetergenau optimiertem Verhältnis verschoben haben.
